Vermögenspolitik

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Nach der 2014 veröffentlichten, auf SOEP-Daten basierenden Untersuchung des DIW wies Deutschland 2012 die höchste Ungleichverteilung von Vermögen innerhalb der Eurozone auf. Durchschnittlich besaß jeder Deutsche 83.000 Euro, das Median-Vermögen lag dagegen bei knapp 17.000 Euro. Das reichste Prozent besaß knapp 800.000 Euro oder mehr. Zu den reichsten 10 Prozent gehörte man ab einem Nettovermögen von 261.000 Euro. Der Durchschnitt dieser reichsten 10 Prozent hatte ein Nettovermögen von 639.000 Euro. 27,6 % besaßen nichts oder hatten mehr Schulden als Vermögen. Der Gini-Koeffizient der Vermögensungleichheit lag bei 0,78 – hierbei sind allerdings Top-Vermögen nicht erfasst. Der größte Unterschied zu früheren Jahren lag bei dem Vermögen von Arbeitslosen: diese hatten 2002 durchschnittlich 30.000 Euro, 2012 durchschnittlich 18.000 Euro Vermögen. Diese Abnahme wird vor allem auf die Hartz-Reformen zurückgeführt. Aufgrund der nur wenigen vorhandenen Daten zu besonders hohen Vermögen geht das DIW davon aus, dass die reale Vermögensungleichheit mit großer Wahrscheinlichkeit deutlich größer ist, als in der Untersuchung erfasst wurde.

 

 

Vermögensverteilung 2007 mit Berücksichtigung der Topvermögen
Personen
ab 17
Vermögen 2007 in %
ärmere 50 % 103 Mrd. Euro 1,4 %
6.–9. Zehntel 2 310 Mrd. Euro 32,0 %
Gesamt 7 225 Mrd. Euro 100,0 %
Top 10 % 4 813 Mrd. Euro 66,6 %
Top 7,5 % 4 408 Mrd. Euro 61,0 %
Top 2,5 % 3 227 Mrd. Euro 44,7 %
Top 1 % 2 590 Mrd. Euro 35,8 %
Top 0,5 % 2 252 Mrd. Euro 31,2 %
Top 0,1 % 1 627 Mrd. Euro 22,5 %
Gini-Koeffizient 0,81
Haushalte Vermögen 2007 in %
Top 0,001 % 419 Mrd. Euro 5,28 %
Top 0,0001 % 132 Mrd. Euro 1,67 %

 

Die Berechnungen des DIW (2011) auf Basis der SOEP-Daten mit zusätzlichen Daten zu besonders hohen Vermögen (die üblicherweise im SOEP nicht erfasst sind) von 2007 ergeben für die Vermögenskonzentration von Personen ab 17 Jahren die rechts stehende Aufstellung. Demnach besitzt das Top-10 % 2007 zwei Drittel des Gesamtvermögens, die reichsten 0,1 % (weniger als 70 000 Personen) besitzen fast ein Viertel des Gesamtvermögens. Die reichsten 0,1 % (weniger als 70 000 Personen) besitzen gemeinsam über 15-mal mehr als die Hälfte der Personen ab 17 Jahre (etwa 35 000 000). Die Top 0,5 % (etwa 350 000 Personen) besitzen gemeinsam etwa so viel Vermögen wie die unteren 90 Prozent (etwa 63 000 000 Personen). Der Gini-Index liegt nach dieser Berechnung des DIW für das Jahr 2007 bei 0,8097.

Für 2012 liegen nur wenige Beobachtungen zu besonders großen Vermögen vor, so dass das DIW 2015 Werte zur Ungleichheit durch Hinzunahme externer Daten korrigierte. Nach den Berechnungen des DIW auf Basis der SOEP-Daten unter Hinzuschätzung der besonders großen Vermögen besaß das reichste Prozent in Deutschland 2012 31-34 Prozent des Gesamtvermögens. Der Anteil der reichsten 0,1-Prozent der Haushalte lag zwischen 14 und 16 Prozent.

Nach einer Analyse auf Haushaltsebene besaßen im Jahr 2008 0,001 %, also 380 Haushalte, ein Nettovermögen von 419,3 Milliarden Euro oder 5,28 % des Reinvermögens der privaten Haushalte. Die reichsten 0,0001 % der Haushalte (38 Haushalte) besaßen 132,35 Milliarden Euro oder 1,67 % des gesamten privaten Vermögens. Eine vergleichbare Vermögenskonzentration ist auch für andere Länder nachweisbar. Beispielsweise in den USA besaßen die reichsten 100 US-Amerikaner (etwa 0,00005 % der Personen) 2006 etwa 1,9 % des Gesamtvermögens und das reichste 1 % der Haushalte 2007 etwa 34,6 % (Gini-Koeffizient von 0,83).
Untersuchungen, die Pensionen und Rentenanwartschaften berücksichtigen

Untersuchungen von 2010 berücksichtigten in der Vermögensverteilung die Pensionen und Rentenanwartschaften, was bis dahin aus methodischen Gründen zumeist unterblieben war. Dabei ergab sich, dass Anwartschaften an Alterssicherungssysteme – gesetzliche, tarifliche und private – erhebliche Vermögensbestände darstellen. Nach den Berechnungen die 2010 im Auftrag des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung durchgeführt wurden, beliefen sich die gesamten Renten- und Pensionsanwartschaften bezogen auf 2007 auf rund 4,6 Billionen Euro. Im Durchschnitt entsprach dies 67 000 Euro je Erwachsenem. Zusammen mit dem individuellen Geld- und Sachvermögen von durchschnittlich 88 000 Euro ergab sich dadurch ein erweitertes Gesamtvermögen von über 155 000 Euro je Erwachsenem. Überdurchschnittlich gut schieden bei dieser Gesamtschau Beamte und Pensionäre ab. Im Ergebnis bedeutete die Erweiterung des Vermögensbegriffs laut SOEP-Daten, dass sich das Verhältnis zwischen dem niedrigsten Vermögen und den obersten Vermögen von etwa 14,6 auf rund 4,4 reduziert wurde. Die Autoren werten dies als deutlichen Hinweis auf eine massive Dämpfung der Ungleichheit durch das Altersicherungsvermögen, merken jedoch an, dass die große Vermögenskonzentration dennoch bestehen bleibt.

 

Vermögensherkunft und Vermögensverteilung

Vermögen kann entweder (durch Ersparnis) selbst erworben oder ererbt sein. Nach einer Untersuchung von Wissenschaftlern der FU Berlin anhand der Daten der Bundesbank (aus dem Panel Private Haushalte und ihre Finanzen) aus dem Jahr 2015 ist in Deutschland bei der breiten Bevölkerung etwa ein Drittel des Vermögens ererbt und zwei Drittel selbst erworben. Dieser Anteil ist über den Großteil der Vermögensverteilung in der oberen Mitte hin etwa gleich. Bei den unteren 50 % (erste 5 Dezile in der Vermögensverteilung) liegt der Anteil der Erben geringer. Die Studie betrachtet die kumulierten Erbschaften bis Anfang 2015

Zwar kommen die Autoren zu dem Ergebnis, dass Erbschaften die größte Rolle beim Vermögen der Mittelschicht spielen, jedoch sehen die Autoren Erbschaften im Schnitt als keine dominierende Ursache der Vermögensbildung. Der Anteil von Erbschaften am Vermögen liegt nach Untersuchung der Autoren bei den vermögendsten 1 Prozent hingegen substantiell höher. Für das oberste Perzentil waren die Daten aus dem PHF-Panel nicht repräsentativ, weswegen die Wissenschaftler die Daten aus anderen Untersuchungen ergänzten. Durch Kombination ihrer Befunde mit den Ergebnissen anderer Studien kommen die Autoren bei den vermögendsten 1 Prozent auf einen Anteil des geerbten Vermögens am Nettovermögen in Höhe von gut vier Fünftel, vergleichbar dem gut untersuchten Wert von Paris zur Zeit vor dem Ersten Weltkrieg.

 
Vermögensverteilung und Vermögenspolitik

Historisch konzentrierte sich die Diskussion um die Vermögensverteilung in Deutschland auf die Ungleichheit des Besitzes an Grund und Boden. Neben der Diskussion um eine Bodenreform in Deutschland spielte während der Weimarer Republik auch die Frage der Fürstenenteignung eine Rolle.

Einen ersten rechtlichen Niederschlag fanden die Forderungen 1919 in der Weimarer Verfassung mit der Bestimmung zur Sozialpflichtigkeit des Eigentums (Art. 153 Abs. 3 WRV), die in leicht veränderter Form auch 1949 im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland übernommen wurde (Art. 14 Abs. 2 GG). Durch die im gleichen Artikel festgelegte Eigentumsgarantie sind die Möglichkeiten des Rechtsstaats zur Einwirkung auf die Vermögensverteilung jedoch geringer als bei der Einkommensverteilung. Das in den Art. 20 und Art. 28 GG verankerte Sozialstaatsprinzip legt dem staatlichen Handeln bestimmte Verpflichtungen auf, deren Umfang je nach politischem Standpunkt unterschiedlich interpretiert wird.

Innerhalb dieser Verpflichtungen und rechtlichen Grenzen spielte die Vermögenspolitik in den ersten Jahrzehnten der Bundesrepublik eine wichtige Rolle. Nach der weitgehenden Vernichtung des Geldvermögens in der Stunde Null und dem Neuanfang durch die Währungsreform 1948 stand zunächst der Ausgleich der Kriegslasten im Vordergrund, durch den ab 1952 vor allem die Ausgebombten und Heimatvertriebenen entschädigt wurden. Danach wurden eine Reihe von Maßnahmen ergriffen, um die Vermögensbildung der Arbeitnehmer zu fördern und so die Vermögensverteilung gleichmäßiger zu gestalten.

Im Konzept der von Wirtschaftsminister Ludwig Erhard formulierten Sozialen Marktwirtschaft kommt der staatlichen Förderung privater Vermögensbildung auch deshalb eine wichtige Rolle zu, weil diese als funktionell zum Erhalt der Wettbewerbsordnung angesehen wird. Im Gesetz über die Bildung des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung von 1963 wurde der Rat der fünf Weisen deshalb verpflichtet, auch „die Bildung und Verteilung von Einkommen und Vermögen“ zu untersuchen.

Wichtige Maßnahmen waren u.a. das erste Vermögensbildungsgesetz (1961), die Förderung von Belegschaftsaktien und die Ausgabe von Volksaktien. Im Bereich der Tarifpolitik wurden verschiedene Modelle des Investivlohns umgesetzt. Maßnahmen zur Wohnbauförderung (7b-Abschreibung, Wohnungsbauprämie, Eigenheimzulage, Baukindergeld u.a.) sollten die in Deutschland traditionell niedrige Wohneigentumsquote heben und damit ebenfalls zur Änderung der Vermögensverteilung beitragen. Nach dem erfolgreichen Wiederaufbau und dem Wirtschaftswunder erlangten auch die klassischen Instrumente zur Belastung der Vermögenden wieder größere Bedeutung: die Erbschaftsteuer und die Vermögensteuer. Die Vermögenssteuer wurde in Deutschland 1923 einheitlich geregelt, das Vermögensteuergesetz zuletzt 1974 novelliert. Nach einem Verfassungsgerichtsurteil aus dem Jahr 1995 wurde die Erhebung der Vermögensteuer jedoch ab dem Steuerjahr 1997 ausgesetzt.

Im Stabilitätsgesetz von 1967 wurde zwar kein Verteilungsziel aufgenommen, doch wurde in der Folgezeit wiederholt die Forderung nach Erweiterung des Magischen Vierecks um das Ziel einer ausgeglichenen Vermögensverteilung erhoben. Unter den Parteien im Bundestag herrscht heute weitgehender Konsens über den Wert einer gerechten Vermögensverteilung für die Entwicklung von Wirtschaft und Gesellschaft, wobei naturgemäß unterschiedliche Vorstellungen bestehen, was als eine solche empfunden wird und mit welchen Mitteln sie eventuell erreicht werden soll. Viele bewährte Instrumente der Vermögensbildungsförderung wurden seit der Wiedervereinigung jedoch zurückgefahren, da durch die Kosten der Deutschen Einheit und den ökologischen Umbau der Marktwirtschaft andere Prioritäten im Vordergrund standen.

Laut Stefan Josten kann in entwickelten Volkswirtschaften bei ungleichmäßig verteilten Einkommen und Vermögen die Bildung von Humankapital in einem wachstums- und effizienzmäßig nicht zu wünschenden Maß beeinträchtigt werden. Dennoch sollte eine negative Wachstumswirkung von Ungleichheit nicht mit einer positiven Wachstumswirkung staatlicher Umverteilung gleichgesetzt werden. Nur bei einem Steuertarif unterhalb eines „wachstumsmaximalen“ Wertes sei staatliche Umverteilung geeignet, das Wirtschaftswachstum zu erhöhen, so Josten.

 

Das DIW regte im November 2007 an:

„Vor dem Hintergrund der zunehmenden Bedeutung von Vermögenseinkommen und der stark ungleichen Vermögensverteilung sollte die Reform der Erbschafts- und Schenkungssteuer überdacht werden, da die Steuersätze im internationalen Vergleich gering und die Freibeträge bereits sehr umfangreich sind.“

Zudem sei vor dem Hintergrund der Vermögensverteilung in Deutschland die Belastung großer Vermögen mit einer Vermögenssteuer oder einer Vermögensabgabe für Millionäre laut Studien des DIW (2010/2011) (im Auftrag der Grünen) sinnvoll. Diese Steuern oder Abgaben hätten – wie im Rahmen des Lastenausgleichsgesetzes von 1952 – den Zweck die Lasten der Finanzkrise sowie der teilweise hieraus resultierenden Staatsverschuldung Deutschlands besser zu verteilen.
Quelle: wikipedia.org